Der Ahamerika-Ritt 1911

Drei Jahre bevor es in Washington ein Schlaraffenreych gab, stand die Bundeshauptstadt schon im Reiseprogramm. Im Sommer 1911 fuhren sechzig Schlaraffen mit dem Dampfer „Barbarossa“ von Bremerhaven an die amerikanische Ostküste — und auf dem Plan standen das Weiße Haus, die Kongressbibliothek und das Grab George Washingtons in Mount Vernon. Der Ahamerika-Ritt ist damit die Vorgeschichte der Washingtonia, aufgeschrieben, bevor es sie gab.

Der Aufruf

Ausgegangen war die Sache von Brooklynia, dem Reych in Brooklyn, das die europäischen Sassen zu einem gemeinsamen Ritt über den Atlantik einlud. Einritt heißt in Schlaraffia der Besuch bei einem anderen Reych; ein Ritt über den Ozean war damals eine Reise von Wochen. Das Sonderthema des Reychsarchivs datiert die Abschiedsfeier in der Brema — dem Reych in Bremen — auf den 21. Heumond a. U. 52; Heumond ist der Juli, a. U. heißt anno Uhui und zählt von 1859, also das Jahr 1911.

Die Überfahrt

Am 22. Brachmond 1911 — Brachmond ist der Juni — legte die „Barbarossa“ in Bremerhaven ab, mit sechzig Schlaraffen und Tross an Bord. Die Reise dauerte bis zum 25. Erntemond, dem August. Die Überfahrt selbst nahm sieben Tage.

Schlaraffen richten sich ein, wo sie sind. Der Speisesaal des Dampfers wurde zur Burg umgebaut, der Uhu — das Wappentier und Sinnbild des Bundes — saß auf einem umgedrehten silbernen Sektkübel, und für die Dauer der Überfahrt entstand ein eigenes Reych: „Oceana atlantica mit der schwimmenden Seefeste Barbarossa“. Bei der Festsippung an Bord trat Rt Trenk aus dem Reych 4 als Neptun auf. Das Nebelhorn des Schiffes wurde kurzerhand als Ruf des Uhu gedeutet und als Einladung verstanden, die Nacht durchzusippen.

Die Ankunft

Die Einfahrt in den Hafen von New York führte an der Freiheitsstatue vorbei. Dort erwartete die Reisenden ein Ritter der Nova Yorkia in einem Motorboot mit dem Namen „Lulu Praga“ und blies ihnen auf dem Piston entgegen. Man kann sich schwer einen schlaraffischeren Empfang denken: ein Boot, das nach der Allmutter heißt, und ein Blechinstrument über dem Hafenbecken.

Washington im Programm

Das gedruckte Reiseprogramm führte die Gesellschaft ausdrücklich in die Bundeshauptstadt. Genannt sind:

Dazu kam, was zu einer Reise dieser Art gehört: eine Kleiderordnung und die beruhigende Zeile „Auslands-Pässe sind nicht erforderlich“. Die Gesamtkosten der Reise gibt das Programm mit 1.500 Mark an.

Warum das nach Washington gehört

Als die sechzig Schlaraffen an der Freiheitsstatue vorbeifuhren, gab es an der Ostküste längst Reyche — Brooklynia und Nova Yorkia empfingen sie. In Washington gab es keines. Erst am 28. Lenzmond a. U. 55, dem 28. März 1914, wurde dort eine Colonie gegründet, aus der die Washingtonia (197) wurde. Der Ahamerika-Ritt zeigt, daß die Stadt schon vorher auf der schlaraffischen Landkarte stand — nicht als Burg, sondern als Ziel.

Und er zeigt noch etwas: daß Schlaraffia dort, wo sie hinkommt, aus dem Vorhandenen eine Burg macht. Aus einem Speisesaal wird ein Reych, aus einem Nebelhorn ein Uhuruf, aus einer Schiffspassage eine Jahrung in Kleinformat. In arte voluptas.

Die Angaben dieser Seite stammen aus dem Sonderthema „Ahamerika-Ritt“ des elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchivs, das aus dem Bericht in der Deutschen Schlaraffen-Zeitung zitiert. Zwei Daten des Sonderthemas passen nicht zusammen: Die Abfahrt aus Bremerhaven ist auf den 22. Brachmond (Juni) datiert, die Abschiedsfeier in der Brema auf den 21. Heumond (Juli) — also nach der Abfahrt. Beide Angaben stehen so im Archiv; welche zu berichtigen ist, ist dort zu klären, und hier ist keine von beiden stillschweigend verschoben worden. Der Verfasser des Reiseberichts ist nicht genannt.

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Der Ahamerika-Ritt 1911 Die Potomac-Burg

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